Aufstellung

Diese Idee ist im Prinzip eine Methode der systemischen Therapiemodelle: die Aufstellung eben. Und genau so kann man das ganze vor den Schülern auch einleiten. Ich denke, dass Jugendliche sehr empfänglich für sog. Psychotricks und daher gleich viel aufmerksamer sind. Wichtig dabei ist wohl, dass alle ernsthaft mitarbeiten. Es sollte dabei nicht gelacht oder geblödelt werden.

Um das ganze umzusetzen sollte eine Fläche von etwa 20qm zur Verfügung stehen.

Sechs Personen sollen dabei die einzelnen Stationen (die nicht 100% die Geschichte abbilden, aber die Gefühlslage) darstellen. Diese Personen sollten wie folgt aufgestellt werden.

Dazu wählt man sich eben sechs Schüler. Diesen würde ich die Zettel (die hoffentlich dazu bereit liegen) mit ihren jeweiligen Antworttexten geben.

Ein Schüler spielt nun den “Russlanddeutschen”, dessen Geschichte durch Auswandern, Vertreibung, Entrechtung und Deportation gekennzeichnet ist. Dieser ist immer auf der Suche nach einem Platz, an dem er leben kann.

Er geht folglich an Station 1 (Deutschland im 18/19. Jhd.) und fragt:
“Kann ich bei Dir leben?”

Station 1 (Deutschland im 18./19. Jhd.) antwortet:
“ Bei mir in Deutschland herrscht große Not, ich kann Dich nicht ernähren, ziehe nach Russland.”

Der “Russlanddeutsche” wandert zu Station 2 und fragt wieder “Kann ich bei Dir leben?”
Station 2
(Russland während des ersten Weltkrieges) antwortet:
„Die Deutschen ziehen gegen mich in den Krieg, das heißt, Du bist mein Feind. Gehe fort von hier, ziehe nach Osten“

“Kann ich bei Dir leben?”
Station 3
(Russland/Kasachstan um 1931-1941) antwortet:
„Du bekommst hier keine Rechte, keine Schulbildung und darfst Deine Sprache nicht sprechen. Ziehe besser nach Asien oder Sibirien oder gehe zurück nach Deutschland.“

“Kann ich bei Dir leben?”
Station 4
(Kriegsende, Deutschland, aber auch Sibirien) antwortet:
„Was willst Du bei mir, durch den Krieg herrscht Not. Ich habe keinen Platz. Gehe dahin zurück, wo Du hergekommen bist.“

“Kann ich bei Dir leben?”
Station 5
(Russland nach 1950) antwortet:
„Rede russisch, wenn Du mit mir sprichst. Ich will Dich hier nicht, gehe zurück in Deine Heimat, wo Du hergekommen bist.“

Kurze Atempause. Dann zumindest beim ersten Schüler fragen, wie es ihm jetzt geht? Antwort abwarten. Nächste Frage: Wo möchtest Du jetzt hin? Wenn er keine Antwort gibt, dann eine Hilfestellung geben und auf Deutschland (Station 6) verweisen. Schicke ihn dann dort hin.

“Ich bin Deutscher, kann ich wieder bei Dir leben?”
Station 6
(Deutschland heute) antwortet:
„Du bist doch kein Deutscher, Du bist ein Russe. Ich will Dich nicht, gehe fort.“

Kurze Atempause. Dann zumindest beim ersten Schüler: “Wie geht es Dir jetzt?” Antwort diskutieren und andere Schüler animieren, auch mal den Weg zu gehen. Bitte unbedingt dabei auf Stille und Konzentration achten.

Wir haben am dritten Tag auch damit angefangen, dies theoretisch als Gruppe durchzuspielen. Damit kann erklärt werden, warum sich die Spätaussiedler über die Jahrhunderte zusammenzurotten gelernt haben. Auch die vorsichtige und ablehnende Haltung wird dabei ersichtlich.